Riesige Mengen an Käse, der vor allem in Produkten wie Pizza oder Käsestangen verwendet wird, ist in Wirklichkeit kein Käse, sondern ein aus Pflanzenfetten, Wasser und Eiweiß hergestelltes Kunstprodukt.
Mit künstlichen Aromen wird aus einer zähen Masse wahlweise Pizzakäse, Mozzarella oder was der Markt sonst noch nachfragt, hergestellt. Große Fast-Food Ketten, aber auch der Gastronomiegroßhandel verwenden nicht Käse aus Milch, sondern Kunstkäse aus der Retorte. Aufgezeigt wurde diese Praxis durch einen Beitrag im ZDF-Magazin "Frontal 21".
Betrug am Verbraucher
So genannter Analogkäse ist ein künstliches Käse-Ersatzprodukt aus Palmöl, Stärke, Milcheiweiß, Salz und Geschmacksverstärker. Er wird bereits in Convenience-Produkten (Pizza, Cheeseburger, Lasagne etc.) eingesetzt und ersetzt dort mittlerweile einen Käseanteil zwischen 25 und 100 Prozent. Aufgrund der möglichen Variationen der Zusammensetzung ist es möglich, "maßgeschneiderten" Käse mit unterschiedlichem Schmelzverhalten zu imitieren. Der Geschäftsführer der Assoziation Ökologischer Lebensmittelhersteller (AoeL), Alexander Beck, hat die Verwendung von Analog-Käse als Betrug am Verbraucher bezeichnet. "Wenn ein Verbraucher sich für ein Nahrungsmittel mit Käse entscheidet, muss er sich darauf verlassen können, dass auch Käse drin ist. Enthält es stattdessen ein Imitat, ist das Betrug, kritisierte Beck. Ein Gemisch aus Pflanzenfetten, Wasser, Eiweiß und künstlichem Aromen, habe nichts mit echtem Käse zu tun.
Lebensmittelkontrollen eindeutig
Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch fordert die Veröffentlichung von Kontrollergebnissen zum Einsatz von Analog-Käse. "Wenn Käse-Imitat aus Pflanzenfett und Geschmacksverstärkern als Käse verkauft wird, ist das Betrug", erklärte der stellvertretende foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. "Die Behörden wissen davon. Im Interesse der Verbraucher müssen sie die Betrüger nennen. Es gibt keinen Grund, die Deklarationsverstöße geheimzuhalten."
Information verweigert
In den vergangenen Tagen hatten mehrere Vertreter von Lebensmittelkontrollbehörden der Länder erklärt, dass etwa an Imbissbuden Pseudo-Käse als echter deklariert werde. Welche Betriebe falsche Angaben machen, wird jedoch nicht veröffentlicht. "Die Behörden verweigern diese Informationen trotz Verbraucherinformationsgesetz. Sie schaden damit den Verbrauchern und den ehrlichen Betrieben, die nicht vor Betrug geschützt werden", so foodwatch-Experte Wolfschmidt. Foodwatch fordert zudem eine eindeutige Kennzeichnung, mit der Verbraucher billige Ersatzprodukte von echtem Käse unterscheiden können. Wolfschmidt: "Pseudo-Käse muss klar und deutlich als Käse-Imitat gekennzeichnet werden, im Handel genauso wie auf Speisekarten und an Verkaufstheken."
70 Prozent auf Pizzen kein Käse
Das niederländische Fernsehprogramm "De Keuringsdienst van Waarde", das erstmals Ende 2003 über seine Verwendung berichtete, spricht davon, dass der Markt rasant weiter wachse, da Analogkäse billiger als herkömmlicher Käse sei. Darüber hinaus könnten selbst Feinschmecker kaum einen Unterschied zwischen dem Kunstprodukt und echtem Käse ausmachen. Der Nepp-Käse, so schimpfen ihn die Niederländer, an sich ist zwar nicht direkt gesundheitgefährdend, aber appetitanregend ist er auch nicht. Es wird davon ausgegangen, dass mittlerweile bei bis zu 70 Prozent der Fertigpizzen einer Supermarktkette nur noch eine Mischung aus Palmöl, Stärke, Milcheiweiß und Salzen sowie Geschmacksverstärkern statt echtem Käse drauf ist. Auch bei Cheeseburgern, Fertig-Pastas, Snacks oder Fertigmahlzeiten findet dieser Ersatzkäse seinen Einzug. Wenn in der Zutatenliste einer Tiefkühlpizza die Begriffe Palmöl (oder Pflanzenöl), Milcheiweiß und Stärke (oder ein Stärkeprodukt) auftauchen, kann sie darauf hinweisen, dass ein Käse-Imitat verwendet wurde. Der deutsche Markt für Käseimitate wird auf 80.000 bis 100.000 Tonnen geschätzt. Nach der Milchbezeichnungs-Schutzverordnung ist es unzulässig, Erzeugnisse, bei denen Milchfett gegen pflanzliches Fett ausgetauscht wurde, mit dem Namenszusatz "Käse" zu bezeichnen. Wenn Analogkäse anstelle von Käse aus Milch verwendet wird, darf das Erzeugnis nicht unter dem Namenszusatz "Käse-"(Stange, Pizza o. ä.) vermarktet werden.