31.08.2004 - 22:00 Uhr

Süchtig nach Süßem

untitled
Bild 1 von 1

untitled

 

Von Thomas Német

Der Hunger ist längst gestillt, wir sind eigentlich satt und doch essen wir weiter. Der Zusammenhang von Schokoladenkonsum, Suchtverhalten und körpereigenem "Belohnungssystem" beschäftigte jetzt ein Grazer Forscherteam.

Anzeige

Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise, satt sind viele bereits schon nach der Hälfte des Hauptgerichtes und trotzdem wird weiter gegessen, als ob es am nächsten Tag nichts mehr zu futtern gäbe.

"Warum essen wir weiter, wenn wir uns bereits satt fühlen?" Diese Frage beschäftigte das Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Graz. In einer Studie untersuchten die Forscher die Verbindung von Schokoladenkonsum und dem körpereigenen "Belohnungssystem".

Im Vordergrund des wissenschaftlichen Schokoladenwettessens stand dabei die Wirkung des Neurotransmitters Dopamin. Dieser Transmitter wirkt sich auf die kognitiven Leistungen, die Motorik und das Suchtverhalten bei Menschen aus.

Essen macht glücklich
"Für unsere Untersuchung ist vor allem von Interesse, welcher Zusammenhang zwischen den verschiedenen Sättigungsmechanismen und dem dopaminergen System besteht", erklärt Sandra Wallner, die ernährungswissenschaftliche Betreuerin der Studie.

Dopamin gehört zu dem funktionellen Teil des Gehirns, das nach der Befriedigung eines Bedürfnisses mit Wohlbefinden belohnt. Dies geschieht beispielsweise beim Erreichen eines gesteckten Ziels, aber auch beim Essen oder beim Sex. Von zentraler Bedeutung sei die Stimulation dieses "Belohnungssystems" durch Genuss- und Suchtmittel, berichteten die Wissenschaftler weiter.

Dieses spiele vor allem bei Suchterkrankungen und Ernährung eine wichtige Rolle. Bei den Tests sollte das physische und psychische Ansprechen auf den Schokoladenverzehr der Probanden untersucht werden.

Acht gesunde Testpersonen durften dazu nach genauer Erhebung ihrer Essgewohnheiten für Bares ihrer "Schokoladeness-Sucht" nachgehen. Nach dem großen Naschen mussten die Testpersonen dann zunächst auf ein Laufband, um dort ihre physische Fitness zu beweisen. Später forderten Rechenaufgaben die psychische Fitness heraus.

Während dieser Prozedur wurden den Schokoladenessern im Dienste der Forschung geringe Mengen Blut entnommen, um die Blutparameter zu beobachten, die für die Steuerung des Sättigungsgefühls zuständig sind. "Wichtigstes Parameter war die Untersuchung der Bildung von Dopaminrezeptoren in den weißen Blutkörperchen", erläuterte Adelheid Kresse, verantwortlich für die molekularbiologische Analyse.

Befunde bei zahlreichen neuropsychiatrischen Störungen und eigene Resultate über verminderte Dopaminrezeptoren bei Rauchern, Alkoholikern oder Heroinabhängigen legten dieses Vorgehen den Forschern nahe.

Erarbeitet wurde dieser neue Forschungsansatz unter der Leitung von Christoph Czermak in Zusammenarbeit mit Universitätsprofessor Peter M. Liebmann von der Addiction Research Society. Vom Fond für wissenschaftliche Forschung und der Drogenrehabilitationseinrichtung "Grüner Kreis" wurden dazu Forschungsmittel zur Verfügung gestellt.

Einerseits erhoffen sich die Wissenschaftler genauere Informationen über die Wirkmechanismen der Dopaminrezeptoren im Blut und andererseits neue Erkenntnisse über das dopaminerge System bei Abhängigkeitserkrankungen und Fehlernährung. Die gewonnen Erkenntnisse sollen zur Verbesserung der Diagnose- und Therapieinstrumente führen. Ende des Jahres 2005 sollen erste verwertbare Ergebnisse des zweijährigen Projektes vorliegen.

Kommentare
Der Nutzer erklärt sich mit der Geltung der aktuellen Terms and Policies von DISQUS einverstanden.
Hinweis: Kommentare können entfernt werden, insbesondere wenn diese rechtswidrig, anstößig, feindselig sind, gegen die guten Sitten verstoßen oder die geregelte Kommunikation der Nutzer untereinander erschweren oder wenn ein entsprechender begründeter Verdacht besteht.
powered by Disqus
Anzeige
Anzeige
mehr Video
Anzeige
Anzeige
Impressum AGB DatenschutzKundenservice Mediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.
Weitere Online-Angebote des freenet-Konzerns: mobilcom-debitel  |  Fundorado  |  Klarmobil  |  Vitrado