Jeden Tag erleiden 750 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. Und jeder dritte Betroffene stirbt, bevor er die Klinik erreicht.
Die Deutsche Herzstiftung hat eine wichtige Botschaft: Beim Herzinfarkt ist schnelle medizinische Hilfe lebenswichtig. Nur so lässt sich Todesgefahr abwenden und ein größerer Schaden am Herz verhindern. Doch viele Betroffene warten erst einmal ab, statt sofort den Rettungswagen zu alarmieren. Die Bilanz: Fast 50 Prozent überleben den Herzinfarkt nicht! 30 Prozent sterben, noch bevor ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden kann.
Treten im Brustkorb starke Schmerzen oder ein massives Engegefühl auf, muss man sofort an einen Herzinfarkt denken. Häufig strahlen die Schmerzen in die Arme, die Schulterblätter, den Bauch, Hals oder Unterkiefer aus. Nichts ist dann wichtiger als schleunigst den Rettungsdienst zu alarmieren. Entweder über die 112 oder die örtliche Notrufnummer 19222, wie dies zum Beispiel in Baden-Württemberg, in Bayern und im Saarland zusätzlich möglich ist.
Kammerflimmern erfordert schnelle Hilfe
Eile ist deshalb angesagt, weil beim Herzinfarkt besonders in der frühen Phase oft lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten, zum Beispiel Kammerflimmern, "das ohne sofortige ärztliche Maßnahmen in wenigen Minuten zum Tod führt", erläutert das Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung Professor Dr. med. Helmut Gohlke, Herz-Zentrum Bad Krozingen.
Außerdem droht sich der Herzinfarkt ohne rasche Therapie auszuweiten: Wird nämlich die zugrundeliegende Verstopfung des Herzkranzgefäßes nicht umgehend beseitigt - am besten im Herzkatheter-Labor durch einen Ballon-Katheter -, stirbt wegen des Blut- und Sauerstoffmangels immer mehr Herzgewebe ab. Und je größer der Schaden, desto stärker wird der Betroffene in seinem weiteren Leben beeinträchtigt sein. Selbst einfache Belastungen wie Treppensteigen können dann zur Qual werden.
Wichtig ist allerdings nicht nur für einen sofortigen Notruf zu sorgen, sondern auch an der richtigen Stelle anzurufen.
Statt die 112 zu wählen, versuchen viele erst einmal, den Hausarzt zu erreichen. "Doch bei einem Herzinfarkt geht es um die sofortige Behandlung, die nur in einer Klinik erfolgen kann", betont Prof. Gohlke. Zu Missverständnissen führt auch immer wieder die Bezeichnung ärztlicher Not- bzw. Bereitschaftsdienst. Dabei handelt es sich nicht - wie viele glauben - um den Notarzt, sondern um einen ärztlichen Dienst, der an Wochenenden und Feiertagen oder auch nachts den Hausarzt ersetzt. Zum Beispiel, wenn bei einer Nierenkolik oder einer schweren Migräne-Attacke ärztliche Hilfe benötigt wird.
Da der ärztliche Bereitschaftsdienst bei einem Herzinfarkt aber auch den Notarztwagen rufen würde, sollte man diesen Umweg vermeiden und auf jeden Fall direkt die 112 wählen, denn jede Minute zählt!
Zwei weitere Vorteile des Notarztwagens sind darin zu sehen, dass bereits vor Erreichen des Krankenhauses bei einem eventuell auftretenden Kammerflimmern sofort mit einem Defibrillator ein rettender Elektroschock verabreicht werden kann, wodurch ein regelmäßiger Rhythmus wiederhergestellt wird. Tritt hingegen im eigenen Auto unterwegs Kammerflimmern auf, ist keine Hilfe möglich. Also weder von Angehörigen mit dem Auto in die Klinik fahren lassen, noch sich gar selbst ans Steuer setzen!
Der Notarzt sorgt darüber hinaus dafür, dass die Behandlung in der Klinik vorbereitet und nach Ankunft beschleunigt eingeleitet werden kann. Der Notarztwagen ist somit bei Verdacht auf Herzinfarkt das beste und - in vielen Fällen - lebensrettende Transportmittel.
Für viele kommt der Herzinfarkt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Doch der Herzinfarkt passiert nur scheinbar unvorhergesehen. Denn "zumindest zwei Wochen vor dem Infarkt treten bei über 80 Prozent eindeutige Warnsignale auf", so der Herzspezialist Professor Dr. med. Christian Hamm.
Meist handelt es sich bei den Warnsignalen um ähnliche Symptome wie beim Herzinfarkt. "Typisch ist ein dumpfes, beklemmendes Gefühl im Brustkorb", erläutert der Kardiologe, Direktor der Abteilung Kardiologie in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.
"Außerdem strahlt der Schmerz häufig in die linke Schulter und in den linken Arm aus. Auch Hals, Unterkiefer und Oberbauch sind oft betroffen." Im Gegensatz zum Herzinfarkt sind die Warnsignale allerdings meist nur von kurzer Dauer oder treten lediglich unter Belastung auf, was immer wieder zu der falschen Annahme verleitet, dass wohl nichts Schlimmes dahinter steckt.
Auch Schmerzen im Unterkiefer können vom Herzen kommen
Viele Betroffene können sich zudem nur schwer vorstellen, dass Schmerzen in der Schulter, im Hals oder Unterkiefer vom Herz ausgehen. Stattdessen lauten die Erklärungsversuche: Man sei bei offenem Fenster Auto gefahren und durch den kühlen Luftzug tue einem nun die Schulter weh oder man habe eine schwere Mahlzeit eingenommen, daher käme der Druck im Brustkorb. "Würden jedoch alle Betroffenen die Warnsignale richtig interpretieren und ernst nehmen, ließen sich viele Herzinfarkte verhindern", betont Prof. Hamm. Ernst nehmen heißt zum Arzt gehen, und zwar nicht erst einige Wochen nach den Beschwerden, sondern bereits in den nächsten Tagen - je früher desto besser.
Ob tatsächlich ein Infarkt droht, kann man zum Beispiel mit einem so genannten Belastungs-EKG herausfinden. Überprüft wird dabei, ob die Herzkranzgefäße bereits so stark verengt sind, dass der Herzmuskel bei vermehrter Arbeit zu wenig Blut erhält und eine erhöhte Herzinfarkt-Gefahr besteht.
Herzinfarkte lassen sich allerdings nicht nur durch warnende Beschwerden im Brustkorb voraussehen. Schon lange vor den ersten Symptomen kann man die Infarkt-Gefahr anhand verschiedener Risikofaktoren abschätzen.
Ohne großen Zeitaufwand ist dies zum Beispiel mit dem Risikotest der Deutschen Herzstiftung möglich. Berücksichtigt werden dabei die wichtigsten Risikofaktoren wie Zigarettenrauchen, Blutfettwerte, hoher Blutdruck, Zuckerkrankheit, Stress, Bewegungsmangel und eine erhöhte erbliche Belastung.
Ein schlechtes Testergebnis bedeutet allerdings noch lange nicht, dass man dem Herzinfarkt hilflos ausgeliefert ist. Vielmehr sollte man ein solches Ergebnis als Aufforderung verstehen, etwas für die Gesundheit zu tun. Am besten man sucht einen Facharzt auf, um gemeinsam eine Strategie gegen den Infarkt zu entwickeln. Denn bis auf die erbliche Belastung und das zunehmende Alter sind alle Risikofaktoren beeinflussbar. Heute lässt sich fast immer die Infarkt-Gefahr mit Verhaltensänderungen und mit Medikamenten drastisch verringern.
Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V.