Von Achim Raschka
Besonders Jugendliche sind angetan von den Möglichkeiten des Chattens und entsprechend boomen die Angebote im Internet und für das Handy. Bei den meisten Gesprächen geht es einzig und allein um Sex und Liebe. Schnell kommt man sich – jedenfalls verbal – näher. Bleibt es nicht nur bei "geflüsterten" Liebesbezeugungen, sondern stellen sich auch echte Gefühle ein, so entsteht häufig der Wunsch, die Cyberliebe auch in der Realität zu treffen. Doch nicht immer verlaufen diese Treffen harmlos. Im schlimmsten Fall versteckt sich hinter "Schmusebär" ein Mörder.
So im Frühjahr 2001 geschehen. "Lolli", die 19-jährige Bademeisterin Loreen Leistner wurde von Andreas W. (27 Jahre alt, Klempner-Lehrling) bestialisch ermordet. Natürlich passieren solche Gewaltverbrechen – eingefädelt durch das Internet – äußerst selten. Aber sie passieren. Dennoch: Panikmache ist nicht angebracht, aber Sorglosigkeit auch nicht. Mit unseren Tipps zum gefahrlosen Chat möchten wir weiterhelfen.
Versteckspiel hinter der Anonymität
Prinzipiell ist jeder im Chat anonym. Jeder
Teilnehmer kann sich hinter einem selbst gewählten Spitznamen (in
der Szene nur "Nick" genannt) verstecken und in dieser Anonymität
alles preisgeben, was er auf der Seele hat. Diese Namen verraten
häufig schon eine ganze Menge über den Benutzer, Namen wie "Ich
will Sex" oder "Küss mich" sind eindeutig und die Personen treten
meist ebenso direkt auf. Im Gegensatz zu Namen wie "Andy15",
"Superzzz" oder "Schmusebär" sind sie allerdings durchschaubar und
stellen sich meist als pubertierende und harmlose Jugendliche
heraus.
Der Vorteil der Anonymität stellt sich bei näherer Betrachtung manchmal schnell als Nachteil heraus. Niemand kann kontrollieren, ob sein Gesprächspartner die Wahrheit sagt oder erfundene Geschichten zum besten gibt. Eine Studie mit dem Titel "Internetsucht – neue Suchtformen und Gefahren" auf der Basis einer Befragung von 1200 Chattern belegte, dass beinah 80 Prozent aller Aussagen von Männern im Chat gelogen sind, bei Frauen waren es immerhin noch 35 Prozent. Natürlich geht es dabei meist um Kleinigkeiten wie falsche Beschreibung des Aussehens, des Musikgeschmacks oder ein falsches Foto. Und solange der Flirt virtuell bleibt, besteht dabei auch kaum ein Problem. Wenn jedoch ältere Männer ihr Alter verschweigen und dies nutzen, um Kinder sexuell zu belästigen, wird die Sache mehr als unangenehm.
von Achim Raschka
Meistens bleibt es beim Flirten im Netz. Doch einige Flirter wollen ihre virtuelle Eroberung auch im wirklichen Leben treffen und sind entsprechend freigiebig mit persönlichen Daten wie ihrer Telefonnummer oder der Adresse.
Im günstigsten Fall kommt der Chatpartner dem Bild nahe, dass man sich von ihm gemacht hat, doch auch Enttäuschungen sind kein Weltuntergang. Der Chatflirt kann sich jedoch auch als realer Albtraum entpuppen.
Relativ häufig reagieren abgewiesene Chatpartner beleidigt und sind sauer. Bei einigen steigert sich dies zu einer wahren Rachsucht und sie versuchen, mit preisgegebenen Daten wie der E-Mail-Adresse und der Telefonnummer ihren ehemaligen virtuellen Schwarm zu terrorisieren. Diese "Stalker" bombardieren ihre Opfer mit E-Mails und Anrufen, bedrohen sie und versuchen sie manchmal sogar mit erhaltenen Informationen über das Intimleben zu erpressen.
Der Fall "Schmusebär"
Es lauert allerdings noch eine seltenere, aber
weitaus größere Bedrohung im Chat. Diese geht aus von Menschen, die
ihre Befriedigung daran finden, ihre Chatpartner sexuell zu
belästigen und im Extremfall das Vertrauen, dass sie sich im Chat
erschlichen haben, in der Realität für ihre Zwecke zu nutzen. Wie
es so weit kommen kann? Der Flirt beginnt meist harmlos und der
virtuelle Freund gibt sich in der Regel ausgesprochen einfühlsam.
Einem solchen "Freund" gibt man gerne seine Daten und ein Treffen
ist recht schnell arrangiert. Auch im Fall vom "Schmusebär" verlief
die Geschichte im Frühjahr 2001 so, die vertrauensselige
Chat-Partnerin Loreen Leistner ist jetzt tot.
Dazu Raimund Pousset auf seiner Website : "Die BILD-Zeitung titelte im Fall von Loreen 'Todesfalle Internet', der SPIEGEL erklärte das Internet für unschuldig. So ist es wohl. Das Netz ist so unschuldig , wie das Telefon oder die Zeitung. Aber es verlangt uns ganze Medienkompetenz, um nicht Opfer der eigenen Sehnsucht, Vertrauen oder Naivität zu werden."
von Achim Raschka
Die dargestellten Beispiele stellen natürlich nicht den Regelfall im Chatroom dar, sie sollen nur die Gefahren aufzeigen. Einige Chatbekanntschaften enden auch glücklich vor dem Traualtar.
Wenn Sie diese Regeln beachten, werden Sie sich gefahrlos beim virtuellen und realen Flirten vergnügen können.