Haarausfall zählt neben Impotenz zu den schlimmsten Krisen des Mannes. Wir zeigen Ihnen, wie sie diese kleinen haarigen Loser aufhalten.
Wenn die Stirn immer höher wird, Geheimratsecken sich auch mit
geschickter Kammführung nicht mehr verbergen lassen und Sie täglich
mehr als 100 ausgehende Haare zählen können, ist es höchste Zeit,
sich gegen den schleichenden Verlust zu wehren
Füttern Sie Ihre Haare: Die Haarwurzeln reagieren
besonders empfindlich auf falsche oder einseitige Ernährung. Eine
der häufigsten Ursachen für Haarausfall ist – neben hormonellen
Gründen – Eisen- und Zinkmangel. Bei Diäten mit weniger als 1000
Kalorien täglich ist die Versorgung mit allen lebenswichtigen und
haarfreundlichen Vitalstoffen nicht mehr gesichert. Die
unterernährten Haare gehen aber meist nicht sofort aus, sondern
zwei bis vier Monate später. Doch auch Überernährung tut der
Behaarung nicht gut. Unter fettem Essen und einem hohen
Cholesterinspiegel leiden nicht nur die Herzkranzgefäße. Auch die
feinen Adern, die die Haarwurzeln versorgen, verkalken schneller
und die Haarwurzeln werden nicht mehr optimal durchblutet. „
Kahlköpfige Männer erleiden dreimal so häufig einen Herzinfarkt,
wie Männer mit vollem Haar", erklärt Dr. Peter Proctor, Hautarzt
aus Houston, Texas. Verhärtete Blutgefäße produzieren zudem weniger
Nitrat. Dieser natürliche Stoff, der in gesunden Adern vorkommt,
erweitert die Blutgefäße (ja, auch in anderen Körperteilen!),
verhindert Blutgerinnsel und fördert auf diesem Weg auch das
Haarwachstum.
Tipp: Haarfreundliche Ernährung ist fettarm und
abwechslungsreich. Essen Sie mindestens zweimal wöchentlich Fisch
und Meeresfrüchte, denn sie enthalten viel Zink und Eisen. Bei
einseitiger Ernährung oder Diäten sind 3 Vitamin- und
Spurenelementpräparate sinnvoll. Auch Vitamin H (Biotin) fördert
gesundes Haarwachstum – Orangen liefern es reichlich.
Mehr Stress – weniger Haare
Chronischer Stress, Prüfungen oder andere psychisch
belastende Situationen können Haare kosten. Wie Stress zu
Haarausfall führt, ist noch weitgehend unklar. „Bei starker
Stressbelastung beobachten wir häufig den so genannten „
neurotischen Haarausfall", sagt Professor Rolf-Dieter Hesch,
Hormonexperte aus Konstanz. „Unter ausgeprägten Stress-Situationen,
bei denen es zu einer permanenten Überlastung kommt, können
vermehrt Haare ausgehen. Diesen Haarausfall sehen wir sehr oft bei
Managern, die sich in ihrem Beruf übernehmen“, so Hesch. Männliche
Hormone scheinen nicht beteiligt zu sein. Eventuell ist ein durch
Stress erhöhter Cortisonspiegel für den Haarverlust verantwortlich.
„Stressbedingter Haarausfall ist nur vorübergehend", beruhigt Dr.
Franklin Kiesewetter aus Erlangen.
Tipp: Bekämpfen Sie den Stress, lernen Sie
Entspannungsübungen. Neues Haar wächst aber weder durch autogenes
Training noch durch Yoga allein. Ein Haarwuchsmittel macht
vorübergehend durchaus Sinn.
Blank dank Schilddrüse
Die Schilddrüse reguliert das Haarwachstum genauso wie viele
andere Stoffwechselvorgänge. Sowohl bei einer Unter- als auch bei
einer Überfunktion ist Haarausfall möglich. „Liegt eine
Unterfunktion vor, beginnt der Haarausfall in der Regel langsam und
wird anfangs oft gar nicht bemerkt“, so Dr. Ferdinand Vennemann,
Hautarzt und Buchautor aus Langenhagen. Gewichtszunahme,
Kälteempfindlichkeit und Müdigkeit sind weitere Anzeichen für eine
Unterfunktion. Aber auch wenn die Schilddrüse zu viele Hormone
produziert, wird das Haar dünner. Vermehrtes Schwitzen,
Gewichtsverlust und Nervosität begleiten eine Überfunktion.
Tipp: Durch eine Blutanalyse (T3, T4, TSH) lässt
sich die Funktion der Schilddrüse überprüfen. Eine
Ultraschalluntersuchung oder eine Szintigraphie (mit Kontrastmittel
in den Venen) geben Hinweise auf herdförmige Unter- oder
Überfunktionen der Drüse. Medikamente können fehlende Hormone
ersetzen oder die Schilddrüse drosseln und so Haare erhalten.
Pillen gehen an die Wurzeln
Medikamente haben häufig Nebenwirkungen. Viele Wirkstoffe
können unerwünschten Haarausfall verursachen. Nicht immer heißt es
im Beipackzettel „Haarausfall“, sondern medizinisch „Effluvium“
oder „Alopezie“. Folgende Arzneimittel können Haarausfall auslösen:
Gichtmittel (Allopurinol), Vitamine (Vitamin A, Retinol),
Schilddrüsenmittel (Thiamazol), Blutverdünner (Heparin, Cumarin),
Blutfettsenker (Bezafibrat, Clofibrat), Krampflöser (Carbamazepin),
Hormone (Danazol, Testosteron, ), Säureblocker (Cimetidin),
Blutdrucksenker (Beta-Blocker, ACE-Hemmer), Krebsarzneien
(Zytostatika).
Tipp: Sollten Sie eines oder mehrere dieser
Medikamente einnehmen oder Haarausfall als Nebenwirkung auf dem
Beipackzettel entdecken, sollten Sie die Mittel nie eigenmächtig
absetzen, selbst bei begründetem Verdacht in puncto Haarschwund.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!
Die Kopfhaut vergisst nie
Juckende Kopfekzeme, fettige Haare und vermehrte
Schuppenbildung verursachen selber meist keinen Haarverlust, können
aber einen bereits beginnenden männlichen Haarausfall eventuell
beschleunigen. Auch Sonnenbrände, die bei dünner werdendem Haar
immer häufiger auftreten, gefährden die Kopfhaut. „Jede Art von
Hauterkrankung an der Kopfhaut kann den Haarverlust verschlimmern",
sagt Dr. Peter Proctor, Dermatologe aus Houston. Bei Entzündungen
wird die Kopfhaut mit aggressiven Stoffwechselprodukten
überschwemmt, die die Haarwurzeln zu einem vorzeitigen Abstoßen der
Haare veranlassen. Zwar schließen sich die Lücken meist wieder,
wenn die Entzündung abgeklungen ist, dennoch ist es besser, Ihre
Kopfhaut zu schützen.
Tipp: Erkrankungen der Kopfhaut bedürfen der
professionellen Abhilfe durch einen Hautarzt. Gängige
Schuppenshampoos können das Problem meistens nicht dauerhaft
beseitigen: Zwar lösen sie die Schuppen, die Ursachen bleiben aber
bestehen. Schuppen und chronische Kopfekzeme werden oft durch einen
Hefepilz (Pityrosporum ovale) verursacht, der nur mit speziellen
Wirkstoffen bekämpft werden kann. Die sind in Terzolin- oder
Stieprox-Shampoos (Apotheke) enthalten. Selbst zur Therapie der
Schuppenflechte (Psoriasis) gibt es eine Lösung, die den
Vitamin-D-Abkömmling „Calcipotriol" enthält (rezeptpflichtig). Zum
Schutz der Haare und Kopfhaut vor UV-Strahlen ist auch ein
Sonnenschutzgel oder -spray mit hohem Lichtschutzfaktor zu
empfehlen (z. B. UV-Protektor LSF 12 von Keralogie).