Im Frühjahr ist der Bodensee am schönsten - meint unser Autor, schreibt von seinen See-Erfahrungen an lauen Frühlingstagen und macht damit jetzt schon Lust auf die Planung der nächsten Frühlingstour. Aber auch im Herbst und Winter hat der See seine ganz besonderen Reize. Alle Infos zu einem echten Ganzjahresziel fürs Wohnmobil.
So ist das hier am See: Alles wirkt ein bisschen leichter, ein bisschen heiterer und bunter als sonst auf der Welt. Heute morgen zum Beispiel beim Frühstück in Meersburg, auf einer der Café-Terrassen. Die Sonne scheint, die Brötchen duften frisch, das Wasser schimmert türkis und die Schiffe spiegeln sich darin. So kann der Tag beginnen! Genau genommen ist die Seeterrasse der ideale Ort für alle Genießer. Morgens, mittags und abends. Zum Glück gibt es viele davon rund um den See. Jeden Tag eine andere. Oder zwei. Oder drei.
Die einzig schwierige Entscheidung, die heute zu treffen ist: Nehmen wir das Schiff westwärts und fahren auf die Insel Mainau? Dann weiter zu den Pfahlbauten in Unteruhldingen und zum Nachmittagskaffee nach Überlingen? Oder besser in die andere Richtung, von Meersburg über Hagnau, Immenstaad nach Friedrichshafen, dort ins Zeppelin-Museum und am Nachmittag zum Bummeln nach Lindau? Oder doch lieber zuerst in die quirlige Studentenstadt Konstanz und dann weiter über die Reichenau in den Untersee in Richtung Rheinfall und Schaffhausen? Fest steht – jede dieser Möglichkeiten ist großartig und jede ist mindestens einen ganzen Tagesausflug wert. Das Reisemobil bleibt derweil am Stellplatz Allmendweg, nicht weit von Meersburgs Altstadt entfernt – oder an einem der vielen anderen Stellplätze, die es rund um den See gibt.
273 Kilometer lang sind die Ufer des Bodensees, drei Länder teilen sich ihn, er ist mit 535 Quadratkilometern nach dem Plattensee in Ungarn und dem Genfer See der drittgrößte in Mitteleuropa, er ist Trinkwasserlieferant für mehr als vier Millionen Menschen. Vor allem aber ist er eine der schönsten Ecken Deutschlands. So eine kleine Kreuzfahrt mit den Schiffen der Weißen Flotte ist die beste Art, einen abwechslungsreichen Urlaubstag zu verbringen. Je nach Lust und Laune kann man das Fahrrad mitnehmen, mal ein Stück auf dem Bodenseeradweg fahren und dann wieder aufs Schiff umsteigen.
Oder doch etwas ganz anderes? Nicht ganz so bequem, aber hoch interessant ist ein Ausflug in die Welt der Flora und Fauna des Bodensees. Ökologisch besonders wertvoll sind viele der Uferzonen. Im Eriskirchner Ried zum Beispiel blüht im Juni die seltene Sibirische Schwertlilie, die Rheinmündung bei Bregenz bildet Europas größtes Süßwasserdelta und die Halbinsel Mettnau beherbergt viele Orchideenarten. Das Wollmatinger Ried aber wirkt auf den ersten Blick unscheinbar: Schilf – so weit das Auge reicht. Doch es ist ein Naturschutzgebiet der Weltklasse, das vielen Tieren und Pflanzen idealen Lebensraum bietet. Willkommen im Reich der Flussseeschwalben, der Schwarzhalstaucher, der Krick-, Knäck-, und Schnatterenten.
290 Vogelarten zählen Zivis im Ried, 600 Farn- und Blütenpflanzen und bei den Insekten ist fast alles da, was hierzulande kreucht und fleucht. Nicht nur Bremsen und selbstbewusste Stechmücken, son-dern auch 330 Arten Großschmetterlinge, 50 Libellenarten, 26 Heuschreckenarten, dazu Wildbienen und Solitärwespen. Und in den seichten Gewässern finden die Bodenseefische ideale Brutbedingungen.
Auch für Zugvögel ist das Ried attraktiv, im Herbst landen hier bis zu 50?000 auf dem Weg nach Afrika. Sie fressen sich Fettreserven an, damit sie gut über die Alpen kommen. Eine kleine Ausstellung im Naturschutzzentrum im ehemaligen Bahnhof Reichenau zeigt das ganze System, sie ist ein guter Einstieg ins Wollmatinger Ried – zumindest theoretisch.
Das Naturschutzgebiet liegt im Untersee, irgendwo zwischen Konstanz, Allensbach-Hegne und der Insel Reichenau. Und zwar an einer ganz besonderen Stelle. Der Rhein kommt ja bekanntlich bei Bregenz in den Bodensee, durchfließt den See, wird an der Engstelle bei Konstanz kurzfristig wieder zum Fluss und ergießt sich dann in den Untersee. Das Wollmatinger Ried breitet sich direkt an der Mündung des Seerheins aus, also an einem Fluss, der aus einem See stammt und wieder in einen See einmündet. Er bringt Sedimente mit und lagert sie hier ab. Dadurch entsteht das, was die Biologen einen „hochdynamischen Lebensraum“ nennen, in dem viele Tier- und Pflanzenarten ideale Bedingungen vorfinden.
Ins Innerste des Naturschutzgebietes kommt man
nur mit einer der vielen
Führungen und Vogelbeobachtungen, die das Naturschutzzentrum
das ganze Jahr über anbietet.
Und danach findet sich immer eine schöne Seeterrasse für ein Abendessen, auf der Insel Reichenau etwa oder in Konstanz: Wie wär’s mit Bodensee-Felchen, Petersilienkartoffeln, dazu ein Glas Weißwein aus Meersburg oder Hagnau – besser kann der Tag nicht enden!
Halbinsel Höri: Kunstroute am Untersee
Die Halbinsel Höri am westlichen Ende des Bodensees ist seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Refugium für viele Künstler geworden.
Kunstroute am Untersee
Hier haben Hermann Hesse und viele Maler wie Otto Dix, Erich Heckel und Heinrich Lotter gelebt. Wo einst die Staffeleien der Künstler standen, können Gäste heute an den Stationen der Kunstroute die Landschaft mit den Werken der Untersee-Maler vergleichen. 31 große Metalltafeln zeigen Reproduktionen von Kunstwerken, die an diesen Stellen entstanden sind. Durch einen ausgesparten Rahmen ergibt sich ein Durchblick, der den Betrachter die Perspektive des Malers einnehmen lässt. Auf anhängenden Tafeln werden Informationen zum Künstler, zum Werk und seinem momentanen Aufbewahrungsort präsentiert.
Informationen: www.tourismus-untersee.de
Nicht nur für Luftfahrt-Fans: Das Zeppelin-Museum
Zeppelin - dieser legendäre Name ist untrennbar mit Friedrichshafen verbunden und dort auch höchst lebendig.
Wer einmal einen der majestätischen Riesen über dem Bodensee beobachtet hat und sich mit Informationen versorgen möchte, wird im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen fündig, der weltgrößten Sammlung zur Geschichte und Technik der Luftschifffahrt.
Herausragendes Ausstellungsstück ist der 33 Meter
lange Teilnachbau der Hindenburg. Eine ruhige, aber auch sehr
eindrucksvolle Reisemöglichkeit bietet die Fahrt mit einem
Zeppelin über dem Bodensee. Ein einstündiger Flug mit dem Zeppelin
„LZ NT 07“ über die Insel Mainau, Meersburg und Konstanz ist ab 355
Euro zu bekommen.
Saison ist von Anfang März bis Ende
September. Voranmeldung erforderlich.
Infos:
www.zeppelinflug.de,
www.zeppelin-museum.de
Die Region im Überblick
Von schönen Städten, blühenden Inseln, großartigen Festspielen und der Barockstraße, an der mehr als 100 Kirchen, Klöster und Schlösser liegen.
Reichenau
Das Kloster Reichenau besticht durch seine weltberühmte Bibliothek mittelalterlicher Handschriften und einzigartige Buchmalereien. Die vier Museumsgebäude auf der zum Weltkulturerbe zählenden Insel bilden dabei ein anregendes Informationsnetzwerk. www.reichenau.de
Insel Mainau
Die Blumeninsel ist im Sommer von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet und erweist sich mit ihrer Blumenpracht als kleines Paradies für Hobbygärtner. Empfehlenswert ist auch der Besuch der Imkerei und der Schnapsbrennerei.
Eintritt: 8–14,90 Euro. www.mainau.de
Konstanz
Studenten, nette Kneipen, Konzerte, Theater und ein buntes Nachtleben: Die größte Stadt am Bodensee ist trotz ihrer großen Geschichte jung geblieben. Sehenswert für Familien: das Meeres-Museum Sea-Life. Das Seenachtsfest wird im Jahr 2009 am 8. August gefeiert. www.konstanz.de
Barockstraße
An der gut 700 Kilometer langen Strecke, die von Ulm über das Allgäu bis nach Bregenz und St. Gallen führt, liegen über 100 Kirchen, Klöster und barocke Schlösser. Besonders sehenswert: die schöne Barockkirche Birnau und das Neue Schloß in Meersburg. www.barockstrasse.org
Lindau
Südwestlichste Stadt Bayerns. Auf der Insel ist neben dem schönsten Hafen des Bodensees vor allem die sehr gut erhaltene Altstadt mit den netten Läden und Boutiquen sehenswert. Nicht verpassen: das alte Rathaus im gotischen Stil und die Fresken in der Peterskirche. www.lindau.de
Bregenzer Festspiele
Hauptattraktion der Festspiele ist das einzigartige und oft monumentale Bühnenbild, das alle zwei Jahre neu gestaltet wird. Im Sommer 2010 wird „Aida“ aufgeführt, Premiere: 22. Juli. www.bregenzerfestspiele.com
Stellplätze aus unserer Datenbank
Hier finden Sie die wichtigsten Stellplätze und Campingplätze für Wohnmobile rund um den Bodensee.
Wohnmobilstellplätze am Bodensee direkt aus unserer Datenbank
Auf dieser Karte finden Sie alle Stellplätze für Wohnmobile rund um den Bodensee direkt aus unserer Stellplatzdatenbank. Ein Klick auf ein Stellplatz-Icon öffnet ein Info-Fähnchen, von dem aus Sie direkt in die Datenbank springen können, um ausführliche Informationen zum Stellplatz zu erhalten. Natürlich könne Sie den Kartenausschnitt verschieben, rein- und rauszommen und auf Sat-Bild umschalten.
Konstanz
Gebührenpflichtiger Stellplatz im Zentrum für 12 Mobile auf einem Parkstreifen. Beleuchtet und ganzjährig nutzbar. Der Platz bietet keinen Schatten. 1 Euro pro Mobil und Stunde, max. 15 Euro. Ver- und Entsorgung inklusive. Höchstparkdauer 24 Stunden.
Standort: 78462 Konstanz
GPS 47°39’25’’N/09°10’05’’O
Info: Telefon 01805/133030,
www.konstanz.de
Meersburg
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 80 Mobile auf 2 reservierten Parkplätzen. WC sowie Entsorgungseinrichtung vorhanden. Ganzjährig geöffnet. Unter-grund zum Teil leicht abschüssig. Ein Bus fährt vom Platz in die Innenstadt. 3 Euro pro Mobil von 16–9 Uhr oder 9–16 Uhr.
Standort: 88709 Meersburg
GPS 47°42’08’’N/09°16’11’’O
Info: Telefon 07532/440400,
www.meersburg.de
Friedrichshafen
Gebührenpflichtiger Platz für 20 Mobile. 10 Euro
pro Mobil und 24 Stunden. Parkscheinautomat. Für Kurzzeitparker: 8–2
2 Uhr 60 Cent/
Std., 22 bis 8 Uhr 1,20 Euro/Std. November bis März
gebührenfrei. Entsorgung inklusive. Der Stellplatz gehört zum
danebenliegenden, empfehlenswerten Campingplatz Cap Rotach und
liegt zwischen Bundesstraße und See.
Standort: 88046 Friedrichshafen
GPS 47°39’00’’N/09°29’45’’O
Info: Telefon 07541/30010,
www.friedrichshafen.info
Camping Hegne
Einfacher, aber idyllischer Platz am Rande des
Naturschutzgebietes Wollmatin-ger Ried. Surfen und Aquabiking
möglich. Preise: Erwachsene
4,50 Euro, Kinder (6–15) 2 Euro, Stellplatz 5,50–6,50
Euro.
78476 Allensbach-Hegne,
Telefon 07533/6384,
www.camping-hegne.de
Campingdorf Horn
Nach ökologischen Gesichtspunkten konzipierter Platz. Je 12 Stellflächen wagenburgartig zu einem Kreis angeordnet. Preise: Erwachsene 5, Kinder (4–11) 3 Euro, Stellplatz 10 Euro, Wasser/Strom 2,50 Euro.
78343 Gaienhofen-Horn,
Strandweg 3–18,
Telefon 07735/685,
www.campingdorf.de
Restaurants und Reise-Infos
Strandhotel Löchnerhaus
Solides Restaurant, romantische
Sonnenuntergänge auf der Seeterrasse. Spezialität sind
Bodenseefische, das Gemüse kommt von der Reichenau, gute Auswahl an
Bodenseeweinen.
78479 Insel Reichenau,
An der Schiffslände 12,
Telefon 07534/8030
www.loechnerhaus.de
Seehof
Küchenchef Jürgen Hallerbach setzt auf einheimische Produkte bester Qualität und macht daraus regionale Hausmannskost mit tollen Verfeinerungen. Schöne Seeterrasse. Gehobene Preisklasse, 14 Punkte im Gault Millau.
88090 Immenstaad,
Am Yachthafen,
Telefon 07545/9360,
www.seehof-hotel.de
Gutsschänke
Beliebtes Restaurant im Staatsweingut hoch über Meersburg mit der schönsten Aussichtssterrasse der Stadt. Einfache Speisen, auch Vesper, gute und günstige Meersburger Weine aus der eigenen Kellerei.
88709 Meersburg,
Seminarstr. 4,
Telefon 07532/807630,
www.gutsschaenke-meersburg.de
Informationen
Über die Weiße Flotte informiert man sich am besten im Internet. 70 Schiffe sind auf dem Bodensee unterwegs, Saison ist in der Regel von Anfang April bis Ende Oktober. Vergünstigungen mit der Erlebniskarte (siehe unten).
Info: www.bodenseeschifffahrt.de
Allgemeine Auskunft über den Bodensee bekommt man
bei der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH, der Verband
vertritt alle Anrainerstaaten der Bodensee-Region. Eine Vielzahl
von
Prospekten und Katalogen, informative Website.
Info: Telefon 07531/909494,
www.bodensee-tourismus.com
Die Bodensee-Erlebniskarte
Die Bodensee-Erlebniskarte ermöglicht den Zugang
zu mehr als 180 Ausflugszielen, sowie die Nutzung vieler
Verkehrsmittel am Bodensee. Die Karte ist für einen Zeitraum von 3
Tagen bis 2 Wochen in 3 Varianten erhältlich: Die Landrattenkarte
(Eintritt in 180 Ausflugsziele, ohne Insel Mainau) kostet z. B. für
3 Tage 39 Euro, Kinder 21 Euro, die Seebärenkarte (zusätzlich freie
Fahrt mit den Kursschiffen) für 3 Tage Erw. 69 Euro, Kinder 37
Euro, für 7 Tage Erw. 90 Euro, Kinder 47 Euro, für 14 Tage Erw. 123
Euro, Kinder
61 Euro. Die Sparfuchskarte (Fahrt mit den Kursschiffen,
Eintritt in einige Einrichtungen, Ermäßigung auf Top-Ausflugsziele)
für 3 Tage Erw. 50 Euro, Kinder 27 Euro.
www.bodensee-erlebniskarte.info