So unscheinbar Bruststangen im Pferdehänger aussehen, so entscheidend sind sie im Ernstfall: Beim Bremsen müssen sie das Pferd sanft, aber sicher auffangen. Das leisten nicht alle Stangen, wie der CAVALLO-Test zeigte.
Kein Pferdeanhänger ohne Bruststange: Zwischen Mittel- und Außenwand eingehängt, soll sie verhindern, dass das Pferd bei einer Vollbremsung durch den Anhänger fliegt wie ein Kegel auf der Bowlingbahn. Dafür muss sie einiges aushalten: Zwischen 600 und 650 Kilo wiegt ein durchschnittlicher Warmblüter.
CAVALLO wollte wissen, wie belastbar Bruststangen tatsächlich sind, und testete deren Biegeverhalten gemeinsam mit der Hochschule in Reutlingen bei Stuttgart. Auf den Prüfstand spannte die Redaktion insgesamt acht Bruststangen aus dem großen Anhängertest in der Juni-Ausgabe 2009.
Dünne Stangen verursachen Schmerzen
Eine weitere Überraschung bot das Abschneiden der beiden Transportsicherungen, die Cheval Liberté für den Grand-Confort-Anhänger lieferte.
Die unbeschädigte Bruststange aus dem CAVALLO-Hängertest im Juni gab dem Druck der Testpresse konstant nach. Diesmal hielten auch die im 42 Millimeter breiten Innenrohr angeschweißten Haken.
Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt die Polsterung der Stange. Sie besteht aus einer acht Millimeter starken Schaumstoffschicht mit einem PVC-Gewebemantel – ähnlich wie bei Lkw-Planen. Die Grand Confort ist das einzige wirklich weich gepolsterte Modell im Test – ein großes Plus, jedoch wäre es schön, wenn die Polsterung auch noch die scharfkantigen Enden der Bruststange umschließen würde.
Dies wäre auch für die von Cheval Liberté
gelieferte Ersatzstange wünschenswert. Mit einem Durchmesser von
gerade einmal 3,8 Zentimetern ist
sie besonders schmal – und bis auf eine 1 Millimeter dünne
gummierte Schicht, die auch als Korrosionsschutz dient, nicht
gepolstert.
Das dünne Rohr gibt jedoch besonders schnell nach. „Ein extrem weiches Material, das aber schnell Kraft aufnimmt“ , urteilt Laborleiter Thomas Handel. Bei 8000 Newton knickt das Rohr beängstigend ein, es hält aber dennoch einer Belastung von 13000 Newton stand.
Stabil ist nicht gleich besser
Das übertreffen die von den deutschen Anhängerherstellern Böckmann („Top Master“), Humbaur („Pegasus“), Thiel („Compact“) und WM Meyer („Nevada Alu“) verwendeten Bruststangen spielend: Sie widerstehen sogar einer Belastung von bis zu 15000 Newton.
Die Stabilität hat ihren Preis, in diesem Fall das Biegeverhalten der Stangen. Sie verformten sich erst bei vergleichsweise hohem Druck. Löbliche Ausnahme: Die Bruststange des Top Master gab bereits bei einer niedrigen Belastung relativ gut nach. Damit schnitt Böckmann unter den deutschen Herstellern am besten ab.
Kommentar
Die Anforderungen an Bruststangen sind hoch: Diese Transportsicherungen sollen verhindern, dass das Pferd beim Bremsen durch den Anhänger fliegt.
Aber sie müssen nachgiebig genug sein für einen möglichst sanften Aufprall. Das schaffen mit Einschränkung nur vier der acht getesteten Stangen; bei einer brach ein Haken.
Dazu kommt: Die Polsterung der Stangen beschränkt sich auf eine dünne PVC-Schicht. Wirklich pferdeschonend ist das nicht. Nötig wäre vielmehr ein sanfter Widerstand, der progressiv ansteigt.
Der Haken riss beim Bremsen
Damals mussten sich die sieben teilnehmenden Anhänger für jeweils zwei Pferde unter anderem Bremstests aus Tempo 50 und Tempo 80 unterziehen. Statt Pferden fuhren zweimal 500 Kilo Ballast mit.
Schon beim ersten Bremsversuch aus Tempo 50 riss beim „Grand Confort Gold“ des französischen Herstellers Cheval Liberté der Gewindehaken der rechten Bruststange ab.
Schuld war ein Verarbeitungsfehler: Die Halterung des Gewindes war vermutlich nachlässig mit der Innenseite der Bruststange verschweißt worden, so dass sich Rost zwischen den Schweißnähten gebildet hatte.
Im Ernstfall wäre das Pferd bei der Vollbremsung gegen die Vorderwand geprallt und hätte sich Schnittverletzungen an den Kanten der lädierten Stange zuziehen können.
Cheval Liberté stellte schnell eine Ersatzstange zur Verfügung, die jedoch nicht baugleich mit der regulären Bruststange war. Sie wurde beim Biegeversuch an der Hochschule Reutlingen ebenso getestet wie die unbeschädigte zweite Stange aus dem Grand Confort.
Druck in der Prüfmaschine
Für den Biegetest wurden die Stangen in einem Prüfrahmen befestigt und anschließend in eine Universalprüfmaschine gespannt. Ein T-förmiger Stempel drückte mittig auf die Bruststange.
Der Reutlinger Laborleiter Thomas Handel erhöhte den Druck per Computersteuerung schrittweise um je 500 Newton, das entspricht etwa einer Belastung von je 50 Kilo. Dabei wurde jeweils verzeichnet, wie viele Millimeter die Stange durchbog. Die mögliche Maximalbelastung lag bei 15000 Newton beziehungsweise 1,5 Tonnen.
Große Überraschung: Ausgerechnet die Bruststange des HB 506 schnitt am schlechtesten ab. Das Fahrzeug des englischen Herstellers Ifor Williams hatte im Anhängertest mit dem insgesamt besten Fahrkomfort fürs Pferd überzeugt. Beim Biegetest versagte der Haken der mitgelieferten Bruststange jedoch.
Dass die Stange bei 5000 Newton (rund 500 Kilo) um 53 Millimeter nachgibt, ist gewollt. „Sie soll sich sogar kontrolliert verformen, um den Aufprall des Pferds sanft abzufangen. Der Bruch des Hakens bei 650 Kilo ist jedoch nicht akzeptabel“, erklärt Thiemo Fleck, der als Fahrdynamikexperte der Zeitschrift „promobil“ den Test begleitete.
Panikstange ist pferdefreundlich
Entscheidend ist, wie sich die Bruststange verbiegt. „Je mehr Energie sie anfangs aufnimmt, desto weniger Kraft wird ins Pferd eingeleitet. Das reduziert die Verletzungsgefahr“, erklärt Fleck.
Insofern wäre das von Ifor Williams gelieferte Modell vorbildlich. Auf der Habenseite steht auch der breite Durchmesser der Stange von 5,2 Zentimetern. „Je schmaler die Stange ist, desto schmerzhafter schneidet sie sich beim Bremsen in die Brust des Pferds“, sagt Fleck.
Der gute Durchmesser wiegt aber nicht auf, dass einer der Haken bereits bei 6500 Newton (etwa 650 Kilo) riss. Die Bruchstelle des gusseisernen Hakens ist zudem sehr scharfkantig, was die Verletzungsgefahr erhöht.
Positiv schnitt der „Provan E“ vom französischen Hersteller Fautras ab, der in den Fahr- und Komforttests im Juni ebenfalls zur Spitzengruppe gehörte. Die patentierte Panik-Bruststange von Fautras weicht von anderen Konstruktionen ab: Sie hat einen Verschluss, der unter Druck selbst auslösen soll. Eine gute Idee, wenn das Pferd etwa beim Verladen zu toben beginnt.
Im Biegeversuch brach der Sicherheitsverschluss allerdings bei 9800 Newton; immerhin hielt er aber auch bei einer Belastung von 12500 Newton die Bruststange am Platz. Positiv war auch das Biegeverhalten der Stange. Sie gab bereits bei geringeren Belastungen schnell nach (siehe Grafik oben): 37,3 Millimeter bei 7000 Newton (700 Kilo), sogar 64,6 Millimeter bei 9000 Newton (900 Kilo).