Die nördlichste Hauptstadt Europas zeigt sich gerne von ihrer etwas außergewöhnlichen Seite. Nicht nur, dass es im Sommer monatelang nicht so richtig dunkel wird. In Helsinki sind viele Häuser vom Engel gebaut. Es gibt eine Felsenkirche, ein Hotel im Gefängnis, kleine Euromünzen nur im Souvenirshop und wirklich überall Saunen, sogar in Meetingräumen. Shopping-Fans haben die Wahl von russischen Andenken bis finnischen Designermöbeln. Und während der Übertragung des Eurovision Song Contest hat Helsinki gezeigt, was die Finnen am besten können: Feiern.
von Andrea Bonder
Den wohl besten Blick über Helsinki hat man vom Turm des Olympiastadions. Aus gut 72 Metern Höhe blickt man auf Innenstadtseen und die Inseln der Schären, aus der flachen Silhouette ragen einige Kirchturmspitzen heraus, dazwischen das viele Grün von Parks, Rasenflächen und Bäumen. Würde man sich jetzt ins Auto setzen und eine Viertelstunde stadtauswärts fahren, wäre man mitten in der freien Natur, an klaren Seen in Laubwäldern.
Ebenso lange braucht man bis zum Senatsplatz mitten im Stadtzentrum der 560.000-Einwohner-Stadt. Hier hat der deutsche Architekt Carl Ludwig Engel im 19. Jahrhundert viele klassizistische Gebäude errichtet. Oberhalb der gewaltigen Freitreppe steht der Dom, ein imposanter weißer Säulenbau mit grünen Kuppeldächern. Ebenfalls am Platz stehen Universitätsgebäude und das alte Senatsgebäude. Nur das Sederholm-Haus, das älteste Haus der Stadt von 1757, entstand vor Engels Zeit. Damals gehörte Finnland schon jahrhundertelang zu Schweden, bevor es Anfang des 19. Jahrhunderts zu Russland kam und 1917 die Unabhängigkeit erlangte, hundert Jahre nachdem Helsinki Hauptstadt des Großfürstentums Finnland wurde.
Ein Bummel durch die City
Spaziert man vom Senatsplatz durch die "russische Gasse", steht man schon am Hafen. Die Stände auf dem Marktplatz bieten frischen Fisch, Obst aus dem Litermaß, Blumen, frischen Kaffee und Elch-Mitbringsel an. In Sichtweite ist die historische Markthalle, in der typische Delikatessen wie Lachs und Kaviar, aber auch Obst und Gemüse feilgeboten werden. Am Marktplatz beginnt auch die Esplanade, die Flaniermeile Helsinkis. Auf gut einem halben Kilometer blicken Schaufensterbummlern schicke Restaurants, Modeboutiquen und finnische Möbel entgegen. Auf der Sonnenseite sitzen die Reichen und Schönen in den Cafés, im Park inmitten der Esplanade treffen sich Studentengruppen. Hier befindet sich auch das "Kappeli", ein Jugendstil-Wintergarten mit Café, Lounge, Restaurant, Terrassenlokal und Sommerbühne. Am Westende wartet als krönender Abschluss Stockmann, das größte Kaufhaus Skandinaviens. Dort liegt auch das Designviertel mit Kunstläden, Galerien, Interieurgeschäfte und Boutiquen.
Die Straßenbahnlinie 3T
Wer am Marktplatz in die Straßenbahn 3 einsteigt, kommt innerhalb einer Fahrtstunde an vielen Sehenswürdigkeiten der Innenstadt vorbei. Die Linie fährt parallel zur Esplanade am Bahnhof vorbei zur Felsenkirche, einem modernen hellen Gotteshaus, das in einen Berg hineingebaut ist. Es folgen die Oper, das Straßenbahnmuseum, das Olympiastadion, mehrere Parks, Designergeschäfte und die alte Markthalle. Die Straßenbahn 3 ist eine Ringbahn, die im Uhrzeigersinn 3T, in Gegenrichtung 3B heißt. Spät am Abend sollte man aber sicher gehen, dass man nicht mit der letzten Bahn überraschend im Straßenbahndepot landet!
In den Häfen von Helsinki liegen immer viele Schiffe. Der Nordhafen ist Heimat von Privatjachten und der Eisbrecherflotte, denn Finnlands Häfen sind im Winter nicht eisfrei. Im Südhafen machen stets einige Kreuzfahrtschiffe fest, ebenso wie Fähren nach Stockholm und Tallinn, den beliebten Wochenendzielen der Finnen.
Mit den kleineren lokalen Fähren lassen sich Ausflüge auf die Inseln vor der Stadt machen. Am beliebtesten ist die Festung Suomenlinna. Die 260 Jahre alte Unesco-Weltkulturerbestätte liegt auf mehreren Inseln, nur eine 15minütige Fährfahrt vom Marktplatz entfernt. Auf einem Spaziergang entdeckt man jede Menge alte Festungsgebäude mit unterirdischen Gängen. In den hutzeligen Häuschen wohnen 900 Insulaner, die Inselkirche ist beliebtes Fotomotiv für Hochzeitspaare, und auf den ausladenden Wiesen lässt sich so manche Familie zum Picknick nieder. Das niedliche Café Pieper liegt direkt an den Klippen, Klappstühle stehen unter Bäumen, der Kuchen ist selbst gebacken.
Zu Künstlern und Kamelen
Nach einer ebenso kurzen Fährfahrt landet man auf der Insel Korkeasaari in einem der ältesten Zoos der Welt. Hier leben Rentiere, Polarfüchse und Schnee-Eulen aus dem Norden zusammen mit australischen Emus, amerikanischen Wapiti-Hirschen und mongolischen Urpferden und Kamelen. Mit einer üppigen Tier- und Pflanzenwelt und Naturlehrpfaden wartet die kleine Insel Harakka auf, auf der sich auch einige Künstler niedergelassen haben. Die Insel Pihlajasaari ist ein bewaldetes Erholungsgebiet, an deren Stränden auch bunt bemalte Holzhäuschen als Umkleiden stehen.
Hotel Kämp
Das glamouröseste und traditionsreichste Hotel Helsinkis ist
das Hotel Kämp. Schon als sein Namensgeber, der Restaurateur Carl
Wilhelm Kämp, es 1887 eröffnete war es das luxuriöseste Haus
Finnlands und eines der Grand Hotels Europas. Jahrzehntelang sah
das Haus viele Dinnerparties und berühmte Gäste. Nach dem Krieg war
es lange ein Bürogebäude, bevor Sheraton es zur Jahrtausendwende in
alten Glanz wieder eröffnete. Heute hat das Fünf-Sterne-Hotel 179
elegante Zimmer, das althergebrachte Café mit der Terrasse zur
prächtigen Esplanade und ein modernes japanisches Restaurant
(Pohjoisesplanadi 29, www.hotelkamp.fi).
Glo
Nebenan hat im März 2007 das Designhotel Glo eröffnet. Die 144 individuellen, minimalistischen Zimmer sind in Naturfarben und weiß gehalten und haben futuristisch designte Bäder. Im ersten Stock liegt das imposante, rot-schwarz gehaltene Restaurant La Cochina, in dem spanische Küche serviert wird. Die Lifestyle-Bar in der Lobby ist ein Treffpunkt für Yuppies und Traveller. Im obersten Stockwerk teilt sich das Glo mit dem Hotel Kämp einen hellen Day Spa mit zehn Behandlungsräumen, drei Saunen und dem Fitness-Center (Kluuvikatu 4).
Klaus K
Das ehemalige Klaus Kurki ist seit einigen Jahren das opulenteste Designhotel der Stadt. Schon im Eingangsbereich die weiße Lounge mit Sofas, runden Tischen und der Glastheke entführt in die 70er Jahre. Über der Rezeption schwebt ein Schneekranz. Die Zimmer und Flure sind in sanften Farben gehalten und stehen im Zeichen finnischer Mythologie. Ein Stilbruch sind das amerikanische Lokal mit Filmmotiven und das original Toskana-Restaurant, im Untergeschoss passt die coole Lounge-Diskothek dann wieder im Stil (Bulevardi 2, www.klauskhotel.com).
Best Western Premier Hotel Katajanokka
Das neueste Hotel Helsinkis, das erst im Mai 2007 die ersten Gäste empfing, war über 170 Jahre lang ein Gefängnis am Hafen. Die "Knast-Flure" sind dank eines bunten Teppichs erstaunlich heimelig. Die 103 freundlichen Zimmer wurden aus mehreren Zellen zusammengelegt und haben zusätzliche Fenster erhalten. Im Restaurant "Jail-Bird" stehen noch die Original-Tische mit eingeritzten Nachrichten, Teller und Becher sind aus Metall, und hier haben die Architekten noch eine einzige Zelle im Urzustand belassen (Linnankuja 5, www.bwkatajanokka.fi).
Eine halbe Autostunde östlich von Helsinki liegt Porvoo. Der schwedische König, der Herrscher im Mittelalter, gründete 1346 das Städtchen. Nach dem Großbrand von 1760 entstand die heute so malerische Altstadt. Die Holzhäuser in rotbraun, ockergelb und lindgrün und die weißen Zäune muten geradezu schwedisch an, und das ist kein Zufall: Noch heute spricht ein Drittel der Einwohner schwedisch, im Rest des Landes sind es gerade sechs Prozent. Die meisten sind Pendler mit Jobs in Helsinki.
Malerische Holzhäuser
Bei einem Spaziergang durch den Ort ist noch gut zu erkennen, welche Schichten in welchem Viertel zu Hause waren. Die Kaufleute wohnten am Fluss. Hier stehen die für Porvoo typischen hölzernen Speicher, in denen früher Getreide gegen Salz getauscht wurde und die heute Antiquitätengeschäfte beheimaten. Steht ein Hoftor offen, dürfen Besucher in den Hallen stöbern und am romantischen Fluss sitzen. Handwerker wohnten in bunten Steinhäusern in der Nähe des Rathauses. Um die mittelalterliche Domkirche, die nach einem Feuer im Mai 2006 derzeit renoviert wird, waren die Beamten zu Hause. Die Hügel, in denen einst die Armen hausten, sind heute die begehrteste Wohngegend der Stadt. Schmale Kopfsteinstraßen führen durch das Viertel mit 250 niedlichen bunten Holzhäuschen in grünen Gärten. Garagen gibt es kaum, es sind lediglich Radfahrer und die Pferdekutsche mit einigen Touristen unterwegs.
Das "Weiße Haus" am Fluss
Außerhalb von Porvoo liegt der Gutshof Haikko. Insbesondere Mitglieder der russischen Zarenfamilie wohnten gerne in der Villa in dem hochherrschaftlichen Garten mit der schönen Lage am Fluss. Heute ist Haikko ein Hotel, und im Haupthaus mit dem großen Restaurant und der Terrasse mit dem herrlichen Gartenblick finden besonders häufig Hochzeiten, Geburtstags- und Familienfeiern statt. Der finnische Rennfahrer Mika Häkkinen hat in Porvoo kirchlich geheiratet und dann im Haikko gefeiert. Sonntags zieht es viele Finnen zum Mittagessen mit der Familie oder zum Kaffee ins Haikko, in dem man auch übernachten kann: Die 27 Zimmer sind ebenso wie die Säle romantisch im Stil der 1860er Jahre eingerichtet ( www.haikko.fi).
Eine Minikreuzfahrt über das Meer
Eine der schönsten Wege nach Helsinki führt über das Meer.
Täglich außer montags legen nachts um drei in Travemünde die
Autofähren von Finnlines zu ihrer 27stündigen Reise über die Ostsee
ab. Prima für Autofahrer aus ganz Deutschland, die tagsüber
gemütlich an die Küste hochfahren. Wer nach dem Mitternachts-Buffet
sich noch einige Stunden an der Bar oder in der bis vier Uhr
morgens geöffneten Sauna wach halten kann, wird mit dem imposanten
Anblick bei der Ausfahrt aus dem Hafen belohnt. Der nächste Morgen
beginnt mit einem üppigen Frühstück im Bordrestaurant, während vor
den Panoramafenstern in der blauen See ab und zu ein
Containerschiff, eine Fähre oder ein Segelboot zu sehen ist. Dann
ist es Zeit, die Finnstar, die Finnmaid oder die Finnlady (alle
sind baugleich und erst seit wenigen Monaten im Dienst) zu
erkunden. Der elfte Stock ist das Entertainment-Deck mit dem
Restaurant, den beiden Bars, der Bibliothek, dem Shop, zwei Saunen
mit Whirlpool, einem kleinen Fitness-Center, einem Konferenzraum
und einer großen Außenterrasse. Hierher verziehen sich vor allem
die Raucher, denn seit Anfang Juni gilt in Gaststätten in Finnland
und damit auch an Bord Rauchverbot. Die meisten lassen sich in
einer der vielen Lese-Ecken nieder, schauen aufs Meer und hängen
ihren Gedanken nach. Abends wartet wieder das Lachs-Buffet, und
nach einer weiteren Nacht läuft das Schiff morgens gegen fünf Uhr
Helsinki an.
Viele Flüge nach Helsinki
Der Nationalcarrier Finnair fliegt von täglich von Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart und seit Mai 2007 sogar von Nürnberg aus nach Helsinki. Österreicher können ab Innsbruck, Salzburg und Wien, Schweizer ab Bern, Genf und Zürich ohne Stop nach Helsinki fliegen. Auch Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss fliegen nach Helsinki. Helsinki steht mittlerweile auf dem Flugplan einiger Billigairlines. Air Berlin fliegt von zehn deutschen Flughäfen, Wien und Zürich nach Helsinki, teilweise allerdings mit Zwischenlandung. Germanwings bedient die Strecke ab Köln/Bonn. Blue1 startet von Hamburg, Berlin und Zürich. Wer den zweistündigen Transfer nicht scheut, kann mit Ryanair von Frankfurt-Hahn und Bremen nach Tampere fliegen.
Interessante Links
Fremdenverkehrsamt Finnland: www.visitfinland.de
Fremdenverkehrsamt Helsinki: www.hel.fi/tourism
Fährgesellschaft Finnlines: www.finnlines.de
Airline Finnair: www.finnair.com
Airline Air Berlin: www.airberlin.de
Airline Germanwings: www.germanwings.de
Airline Blue1: www.blue1.fi
Airline Ryanair: www.ryanair.com